
Von Cali aus ging es am 18.12. weiter Richtung Norden nach Armenia mit ca. 300.000 Einwohnern in eine deutlich kleinere Stadt. Für die ca. 200 km mussten wir etwa 4 Stunden reine Fahrzeit einplanen. Unsere Mittagspause verbrachten wir in einem sehr kleinen Dorf nahe der „Autobahn“. Auf dem dortigen Marktplatz wurden wir mit unseren Jungs sehr schnell zur Hauptattraktion und waren nach kurzer Zeit von etlichen einheimischen Kindern umringt. Die Kids (ca. zwischen 6 und 12 Jahren) wussten nicht, dass es außer dem amerikanischen Kontinent noch weitere Kontinente wie Europa auf der Erde gibt und um so faszinierter waren sie von unseren Erzählungen. Es wurde viel gelacht, gespielt, gesungen und gegessen. Einer dieser unvergesslichen Reisemomente und das Bewusstsein, dass wir alle eine große „Menschenfamilie“ sind, egal welche Sprache, welche Kultur oder Herkunft. Wohlwissend, wie privilegiert wir sind, reisen zu können und im Wohlstand zu leben.
Armenia liegt im Herzen einer großen Kaffeeanbauregion. Da wir keine Kaffeetrinker sind haben wir uns auf die leckeren Trinkschokoladen konzentriert, die aus frischem Kakao gewonnen werden und ungezuckert bitter schmecken. Armenia selbst bietet mit seinen vielen Parks und hügeliger Umgebung einiges. Wir besuchten den botanischen Garten mit seinen zutraulichen Schmetterlingen und zahlreichen Kolibris. Zufällig kamen wir an einer Reitanlage vorbei, an der ein Dressurturnier abgehalten wurde. Die herausgeputzten Pferde führten schnell trippelnd eine Art Tanz auf und traten gegeneinander an. Hier aber auch anderswo konnten wir fasziniert beobachten, welch enge Verbundenheit die Kolumbianer zu Pferden pflegen.
Ein weiteres Highlight war der Tagesausflug nach Salento und die wunderschönen grünen Täler, gespickt mit hochgewachsenen Wachspalmen. Die bis zu 60 m hohen Palmen sind die höchsten der Welt und können einige hundert Jahre alt werden. An diesem Sonntag waren auch zahlreiche einheimische Wanderer unterwegs. Viele jedoch zu Pferd. Etwas ungeplant entschieden wir uns für eine sehr steile Route und überwanden 600 HM auf etwa 2 km auf engen und matschigen Dschungel Pfaden. Jeder transportierte immer ein Kind + Verpflegung und wir waren froh als das Terrain flacher wurde und Emil (unsere Bergziege) wieder selbst laufen konnte. Der Blick in die nicht ganz wolkenfreien Täler entschädigte für die körperlichen Strapazen.
















Emil als Fotograf 



Von Armenia wollten wir wieder nach Bogota zurück fahren. Leider war die Hauptverbindungsstraße über die Andenausläufer baustellenbedingt komplett gesperrt, was uns einen über 100 km weiteren Umweg und zwei komplette Autofahrtage bescherte. Eine anstrengende, kurvenreiche aber auch landschaftlich beeindruckende Fahrt gegen Ende unseres Roadtrips.
Der Plan bis kurz vor Abreise aus Kolumbien, war am 23.12. nach Chile zu fliegen, um bei Freunden von Marie in Santiago Weihnachten zu verbringen und dann weiter nach Patagonien zu reisen. (Erst seit 23.11 ist es wieder erlaubt in Chile als Deutscher einzureisen) In Armenia hatten wir bereits einen PCR Test in einem Labor vereinbart, der für die Einreise nach Chile obligatorisch ist. Dann kamen die ersten Mutationsmeldungen von COVID 19 aus Großbritannien und die ersten Einreiseverbote für Europäer in verschiedenen südamerikanischen Ländern. Die Einreise hätte vermutlich funktioniert, jedoch war uns die weitere Entwicklung zu ungewiss und möglicherweise keinerlei Flugverbindungen nach Europa mehr zu haben zu unsicher. Zudem wurden in Santiago auf Grund steigender Infektionen, an Feiertagen und Wochenenden komplette Ausgangssperren verhängt. Diese Tatsachen und noch weitere veranlassten uns, ein Land zu wählen, von welchem wir wahrscheinlicher wieder Richtung Europa zurückkehren können. Wieder einmal entschied das Virus, wohin unsere Reise weitergehen sollte. Nach wie vor sind wir jedoch sehr glücklich, überhaupt so lange auf Reise sein zu dürfen.


















